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Skandinavischer Sommer 2019

Unbekanntes Land

Nach nun zwei Monaten im Norden Europas, fahre ich jetzt wieder auf die Fähre und über die Ostsee nach Deutschland zurück. 50 Tage durfte ich in meinem kleinen Hilux Camper an 48 unterschiedlichen tollen Plätzen übernachten (die Route findet Ihr hier).

Viermal nutzte ich die Infrastruktur von Campingplätzen, um Wäsche zu Waschen und dann auch mal eine heiße Dusche zu genießen. Die großen Städte wie Oslo, Bergen, Kopenhagen, Malmö und Stockholm, die einen Besuch sicherlich wert sind, habe ich zugunsten der Natur und Ruhe diesmal abseits liegen lassen.

Häuser, Straßen, Brücken und Tunnels

Ich bin ca. 10.000 km gefahren und das in einem Tempo von max. 90 km/h; für einen Deutschen fast unglaublich. Ich konnte mich aber an jeder Kurve freuen über den Anblick dahinter, hinauf auf die grandiosen Berge Norwegens, die Seen und Inselchen in Schweden oder die Wälder und Hügel Finnlands.

Die Häuser aus Holz gebaut, in diesen so beruhigenden Pastellfarben rot, gelb und blau mit schönen Gärten und Lichtungen. 200 Stunden in meinem Hilux wurden mir nie langweilig. Mal waren es schmale Straßen und es war interessant anderen Wohnmobilisten auszuweichen, mal standen wieder Rentiere direkt auf der Fahrbahn, wartend wer da so kommt, mal waren es tolle Dirtroads die besonderen Spaß gemacht haben.

Ich bin fasziniert von den Brückenkonstruktionen heute und auch deren Schwestern aus der Vergangenheit, die manchmal noch parallel zum neuen Bauwerk zu bestaunen sind. Ich war überrascht von den unzähligen Tunnels in aller Ausbauform in Norwegen; diese Tunnels, die neben den Fähren die Verbindung zwischen den Fjorden und zwischen Menschen von Süd nach Nord schaffen, wo früher nur kurze Zeit der Weg mit dem Schiff oder über den Berg möglich war….

Natur

… Diese Straßen, Brücken und Tunnels, die so im Einklang mit der Natur erscheinen, und doch heftige Einschnitte in diese mit sich bringen. Mit Ausnahme eines einmaligen Stadtplatzes, stand ich immer unter oder in der Nähe von Bäumen und Wiesen.

Und doch war da immer in der Nähe ein Haus, ein Stausee, ein Strommast und faszinierend immer Mobilfunk. Ich befand mich also in dieser Natur, die der Mensch zulässt. Die Einflüsse der Infrastruktur vergräbt der Mensch in der Erde mit Kanälen, Rohren und Kabeln.
Vielleicht ist es doch anders in den sumpfigen Regionen Finnlands, dort wo es kaum noch Straßen gibt und es eine Reise mit dem Kanu Wert ist; und somit ist wieder eine Reise Idee geboren. Wir alle wollen Natur sehen und fahren zum Bird- oder Walewatching und wissen doch eigentlich gleichsam, dass wir damit wieder unseren Zoo um uns herum bauen. Die Elchfarmen in Schweden wirken sonderbar fehl am Platze und gaukeln auch hier uns Besuchern eine intakte Natur vor.

Ich habe es dennoch genossen wenig Beton und wenig Plastik zu sehen. Ich habe die sogenannten „Hotspots“ oft gemieden, um doch etwas näher an der Natur zu sein und lieber einen einsamen Bergpfad gewandert.      

Menschen

Meine Möglichkeit der Interaktion mit Menschen war eingeschränkt aufs Einkaufen von Lebensmitteln und auf einen Kaffee zum Nachmittag. So kann ich nichts Persönliches über die Skandinavier sagen.
In einem Museum in Kirkenes wurde mir jedoch klar welche verschiedenen Strömungen von Ethnien auch hier zusammentreffen (Finnen, Samen, Russen, Lappen, …).

Sie alle scheinen einen Hang zum Verreisen zu haben, da vor jedem Haus ein Wohnmobil oder Wohnwagen steht. Sie mögen das Fischen, das Quad-/Skidofahren und das Draußen sein.

Sie leben vom Fischfang und Zucht, von Rohstoffen und Mienen, vom Erdöl, von der Landwirtschaft und vom Tourismus. In den Supermärkten ist unglaublicher Weise alles in Plastik verpackt. Sie akzeptieren das Parken über Nacht und ich hatte niemals eine Störung oder eine Beschwerde.

Ruhe

So war es das erste Mal, dass ich meine Zeit in Skandinavien verbringen konnte und ich habe es lieben gelernt. Ich hatte immer ein Gefühl der Leichtigkeit und fühlte mich behütet. Mir war ein tolles Wetter mit nur zwei Tagen Regen vergönnt. Die Tage verliefen in einem ruhigen gleichsamen Rhythmus.

Über das Mobiltelefon hatte ich immer Kontakt zur Welt da draußen und nach Hause. Sicher auch mal spannend das Ding zu verlieren und wirklich in der Ruhe zu sein. So aber hatte ich Kontakt zu vielen Lieben Menschen aus meinem Umfeld.
Gerne hätte ich noch mehr von den weißen Nächten erlebt oder auch die ersten Nordlichter gesehen. Ich träume jetzt von der verschneiten Winterlandschaft in Finnland oder Schweden. Das ist ein gutes Zeichen.

Ich habe in diesen Tagen eine innere Ausgeglichenheit gefunden und jede Sekunde das Nichtstuns der Ruhe und Stille genießen können. Es braucht so wenig um erfüllt und glücklich zu sein.

 

 

 

Ich bin unendlich dankbar, dass mein privates und berufliches Umfeld so viel Verständnis für diese Auszeit findet.

Ich komme wieder!!!